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ZUSAMMENFASSUNG DER SCHLÜSSE DER BIOAKADEMIE 2008

Hauptthemen der 8. Bioakademie, die vom 3. bis 5.9. in Lednice in Mähren stattfand, waren neue Erkenntnisse von Wissenschaft und Forschung im Bereich des Biolandbaus und die gegenwärtigen Entwicklungstrends.

Ausgangspunkt der Diskussionen waren die Verschiebung der Wahrnehmung des Biolandbaus von einem marginalen Sektor hin zur potentiellen Führungsrolle in einem nachhaltigen Wirtschaftssystem sowie die realen Ursachen der geringen Produktion tschechischer Biolebensmittel. Es wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Gefahren zu benennen, welche für den Biolandbau die Koexistenz mit einem System der Produktion genmanipulierter Organismen darstellt. Auf der wissenschaftlichen Konferenz, die dieses Jahr erstmals Bestandteil der Bioakademie war, präsentierten zahlreiche europäische Forschungseinrichtungen die neuesten Ergebnisse ihrer Arbeit.
„Der biologische Landbau hat keine Ambitionen, Lebensmittel nur für Auserwählte zu produzieren, er will eine vollwertige Lösung für Schlüsselprobleme wie etwa Klimaveränderungen, die Abnahme der Biodiversität oder genügend sichere Lebensmittel sein“, erklärte Urs Niggli, der Direktor des schweizerischen Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), der auf der Konferenz das in Vorbereitung befindliche Projekt einer europäischen Technologieplattform für Wissenschaft und Forschung im Bereich des Biolandbaus vorstellte. „Statt immer „vollkommenere Pflanzen'“ zu züchten, verfolgt die biologische Landwirtschaft eine qualitative Verbesserung des gesamten Agroökosystems“, wies er auf den grundlegenden Unterschied im Herangehen an Probleme hin, wie sie etwa Wassermangel oder extreme Klimaschwankungen darstellen können.
„Eine reale Koexistenz von genmanipulierten Pflanzen und biologischer Landwirtschaft ist nicht möglich“, konstatierte Thomas Dosch, Vorsitzender des deutschen Ökobauernverbands Bioland und wies auf die Notwendigkeit einer aktiven Aufklärung zum Thema der Koexistenz unter den Bauern wie auch in der Fachöffentlichkeit hin. In der Diskussion schilderte seine Erfahrungen Percy Schmeiser, Inhaber des Mahatma Gandhi Award 2000 und des alternativen Nobelpreises 2007 (Right Livehood Award) für den Schutz der Biodiversität und die langjährige Verteidigung der Rechte von Kleinbauern.

Im Beitrag über die Gründe für die Stagnation der Produktion von Biolebensmitteln in Tschechien wurde auf die anhaltenden Probleme des Biolandbaus hingewiesen, so etwa seine geringe Leistungsfähigkeit, den kleinen Bestand an Ackerboden oder das ungenügend gelöste Marketing. Ohne grundlegende Änderungen im System der Förderung wird es nicht dazu kommen, daß wenigstens 60 % der in Tschechien insgesamt konsumierten Biolebensmittel auch in Tschechien produziert werden, wie es das Programm des Landwirtschaftsministeriums für nachhaltigen Verbrauch und Produktion „Biologischer Landbau und Biolebensmittel“ bis zum Jahr 2010 festlegt. „Das Sammeln von Daten, ihre Analyse, Auswertung und Interpretation sind derzeit nicht so geregelt, daß sie eine objektive Beurteilung der erreichten Ergebnisse erlauben würden, und dies speziell im Bereich der Schaffung von Arbeitsplätzen auf dem Land, der Entwicklung der Verarbeitung direkt auf dem Hof oder der Förderung von Familienbetrieben. Aus diesem Grund werden die bislang ergriffenen Maßnahmen nicht zu den gewünschten Veränderungen führen“, warnte Roman Rozsypal von EPOS, dem Verband der Berater im Biolandbau. Zu Lösungsvorschlägen für konkrete Probleme sollte eine systematische Zusammenarbeit der Fachorganisationen mit dem Landwirtschaftsministerium beitragen.

Auf der Konferenz wurden die neu angenommenen Implementierungsregeln zur Ratsverordnung 834/2007 präsentiert, die am 1.1.2009 in Kraft treten wird. Die einheitliche Verwendung der europäischen Logos wird erst ab dem 1.7.2010 verbindlich werden. Im Hinblick auf die neue Legislative wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Integrität der Biolebensmittel in bezug auf ihre Grundwerte zu erhalten. Ein vieldiskutiertes Thema war die Haltung der Biobewegung zum Transport von Biolebensmitteln aus Drittländern vs. ihrem nachweislich positiven sozialen Beitrag für das Erzeugerland. Den Teilnehmern wurde die neue Vertriebsfirma PRODEJ BIO vorgestellt, die der Verband PRO-BIO in Kooperation mit dem deutschen Verband Bioland ins Leben gerufen hat.

An der Bioakademie nahmen dieses Jahr mehr als 200 Gäste aus über 20 Ländern der ganzen Welt teil. Die Veranstaltung fand unter der Schirmherrschaft der IFOAM EU, des Umweltministeriums und des Landwirtschaftsministeriums der Tschechischen Republik statt. Hauptorganisatoren der Bioakademie waren der Biolandbauverband PRO-BIO und das Bioinstitut in Zusammenarbeit mit BIO Austria unter fachlicher Kooperation des FiBL und der Palacký-Universität Olomouc. Finanziell beteiligten sich das Landwirtschaftsministerium und das Umweltministerium der Tschechischen Republik, das österreichische Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und das Landwirtschaftsministerium der Slowakei. Hauptsponsoren waren die Firma „Ja! Natürlich Naturprodukte“, die Niederösterreichische Versicherung und der Avalon-Fonds.

Karolína Dytrtová

podpora

HERAUSGEBER

Palacký-Universität Olomouc: Prof. Dr. Ing. Bořivoj Šarapatka, CSc., Ing. Marek Bednář

Biolandbauverband PRO-BIO: Ing. Jiřina Pavelková, Ing. Vladimíra Červená

Die Herausgabe dieser CD wurde durch das Ministerium für Umwelt der Tschechischen Republik unterstützt

 


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